Die Krebs-Insulin-Connection: Insulinresistenz als unterschätzter Faktor

Die Verbindung von Insulinresistenz und Krebs ist noch viel zu wenig im Blickfeld von Frauen, die mit Insulinresistenz diagnostiziert wurden. Dabei ist Insulinresistenz als verstärkender Faktor bei bestimmten Krebsarten in der Forschung schon lange bekannt.

Insulinresistenz ist eine Stoffwechselstörung. Der Fokus liegt dabei überwiegend auf den drei Speicherorganen Muskeln, Leber und Fettgewebe, deren “Immunität” gegen das Hormon Insulin zu gestörten Blutzuckerwerten und Entzündungen führt. Um diesen Zustand zu kompensieren, schüttet der Körper verstärkt Insulin aus.

Zahlen, Daten, Fakten: Krebs und Brustkrebs in Deutschland

Nach Erkrankungen des Kreislaufsystems war Krebs in Deutschland im Jahr 2021 die häufigste Todesursache. (Quelle: DESTATIS)

Fakten über Krebs in Deutschland:

  • Über 70.000 Neuerkrankungen jedes Jahr in D
  • 44 von 100 Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens an Krebs
  • Jede fünfte Frau stirbt daran
  • Häufigste Krebserkrankungen: Brust, Prostata
  • Krebserkrankungen, die mit Insulinresistenz/Hyperinsulinämie in Verbindung gebracht werden: Brust, Prostata, Darm, Endometrium

Krebs und Glukose: Der Warburg-Effekt

Krebszellen bzw. Tumore galten lange Zeit als “glukosehungriger” als gesunde Zellen. Tumore nehmen auch tatsächlich mehr Glukose auf. Es gibt aber Hinweise darauf, dass möglicherweise gesunde Zellen im Tumorgewebe die Hauptkonsumenten dieser verstärkten Gluskeoaufnahme sein könnten.

Was aber nach wie vor gilt: Krebszellen verstoffwechseln Glukose anders als gesunde Zellen. Dabei entsteht mehr Laktat (Milchsäure). Diese Art der Energiegewinnung ist ineffizient, weshalb Krebszellen verstärkt Glukose aufnehmen, um ihren Energiebedarf zu decken (Warburg-Effekt).

Die Verbindung zwischen Insulinresistenz und Brustkrebs

Manche Krebsarten reagieren empfindlich auf Insulin. Dazu gehören etwa die häufigen Krebsarten wie Prostata- und Brustkrebs, aber auch Darm- und Endometriumkrebs werden dazu gezählt.

Brustkrebszellen besitzen sieben mal mehr Rezeptoren für Insulin als gesunde Zellen. Das ermöglicht ihnen, viel Glukose aufzunehmen, um ihren Energiebedarf zu decken.

Insulin wirkt grundsätzlich anabol, also aufbauend. Insulin baut Körpergewebe wie Fett auf, versorgt Muskeln mit Glukose und Proteinen und nicht zuletzt ist Insulin im Gehirn mit daran beteiligt, neue Nervenzellen zu bilden. 

Bei Insulinresistenz/Hyperinsulinämie liegt ein “chronisch anaboler” Zustand vor, der sich leider häufig nur auf Körpergewebe wie das Fett aufbauend auswirkt, Muskeln aber abbaut. Zusätzlich verursachen die hohen Insulinspiegel verstärkt Entzündungen. Beides zusammen scheint ein guter Nährboden für insulinempfindliche Krebszellen zu sein, die selbst nicht insulinresistent werden.

Bisher haben wir noch keine Tumorzelle gefunden, die insulinresistent war.

– Rachel Perry, Krebsforscherin Yale

Aber nicht nur Insulinresistenz an sich fördert das Tumorzellwachstum. Östrogen ist ein weiteres Hormon, welches das Wachstum von Krebszellen bei Brustkrebs und im Endometrium fördert. Insulin hemmt die Herstellung von Sexualhormon-bindendem Globulin (SHBG). Dieses Hormon bindet “verbrauchtes” Östrogen an sich, damit es abgebaut werden kann. Gleichzeitig stimuliert Insulin die Produktion von Östrogen in den Eierstöcken. 

Wissenschaftlicher Erkenntnisse und Studien zur Verbindung von Krebs Insulinresistenz

Hier einige Ergebnisse aus der Forschung über den Zusammenhang von Krebs/Brustkrebs und Insulinresistenz und/oder Übergewicht:

  • Übergewicht/Adipositas beeinflusst die Krebsentstehung z.B. durch chronische Entzündungen, Hyperinsulinämie und Insulinresistenz und weitere hormonelle Veränderungen.
  •  Die Sterblichkeitsrate durch Krebs ist bei Studienteilnehmern mit Hyperinsulinämie (Insulinresistenz) signifikant höher als bei denjenigen ohne. Das gilt auch für Teilnehmer, die kein Übergewicht/ keine Adipositas haben.
  • Übergewicht/Adipositas beeinflusst die Krebsentstehung, teilweise durch Entzündungen, teilweise durch zu viel Insulin
  • Die Sterblichkeitsrate ist bei Brustkrebspatientinnen mit Insulinresistenz höher
  • Frauen mit Brustkrebs, die außerdem übergewichtig sind, haben häufig auch größerer Tumore

Insulinresistenz rechtzeitig erkennen und umkehren

  • Keine Erkrankung wird besser, wenn eine Insulinresistenz vorliegt. Das trifft auch auf die oben erwähnten insulinempfindlichen Krebsarten zu. 
  • Um das Kresbrisiko abzusenken, sollte eine Insulinresistenz also frühzeitig erkannt und umgekehrt werden.
  • Zur Diagnose stehen uns HOMA-IR oder oGTT zur Verfügung, die ich dir in diesem Artikel bereits erklärt habe.

Wenn du noch keine oGTT gemacht hast oder dieser schon lange zurückliegt und du Symptome einer IR wahrnimmst, dann lade dir doch meine 0 €-Checkliste herunter, mit der du dich optimal auf den oGTT vorbereiten kannst. Damit verhinderst du ein falsches Ergebnis.

Risikofaktoren bei Brustkrebs

Die gute Nachricht: Die meisten Risikofaktoren liegen in unserer Hand. 

Nicht-änderbare Risikofaktoren:

  • Alter
  • Gene
  • Spätes Einsetzen der Wechseljahre

Änderbare Risikofaktoren:

  • Rauchen
  • Übergewicht/Adipositas
  • Insulinresistenz, unabhängig vom Gewicht
  • Umwelt: Asbest
  • Alkohol
  • Entzündungen über einen langen Zeitraum

Das sind also die Stellhebel, die wir haben. Um den Großteil dieser veränderbaren Risikofaktoren kümmern wir uns ja hier und nein, das ist natürlich kein Garant dafür, dass du niemals in deinem Leben Krebs bekommen wirst.

Aber es ist besser, alle Risiken, die du beeinflussen kannst, zu minimieren und dann mit einer Restunsicherheit zu leben – das ist zumindest meine Meinung.

Insulinresistenz umkehren, Brustkrebsrisiko senken

Wenn du dein Übergewicht abbaust, deine Insulinresistenz zurückbildest und deine Entzündungen unter Kontrolle bringst, hast du schon mal drei große Risikofaktoren verringert.

Das Rauchen und deinen Alkoholkonsum solltest du grundsätzlich einstellen, nicht nur wegen deiner Insulinresistenz und Übergewicht. Alkohol hat verschiedene Auswirkungen im Körper. Zum Beispiel erhöht er die Menge an Östrogenen im Blut und die Anzahl der Östrogenrezeptoren in den Brustdrüsenzellen. 

Außerdem wird Alkohol im Körper zu krebserregenden Substanzen wie Acetaldehyd abgebaut, die das Erbgut schädigen können.

Du solltest außerdem regelmäßig zur ärztlichen Vorsorge gehen, um eine mögliche Erkrankung rechtzeitig feststellen zu können.

Fazit Insulinresistenz und Brustkrebs

Die Verbindung zwischen Insulinresistenz und Krebs, insbesondere Brustkrebs, ist ein wichtiger, aber oft unterschätzter Faktor. Insulinresistenz führt zu gestörten Blutzuckerwerten, Entzündungen und einem erhöhten Insulinspiegel im Körper.

Es gibt eine deutliche Verbindung zwischen Insulinresistenz, Übergewicht und Krebsentstehung. Um das eigene Risiko abzusenken, lohnt es sich deshalb, Ernährung und Lebensstil zu überdenken.

Änderbare Risikofaktoren wie Gewichtsabnahme, das Umkehren deiner Insulinresistenz und verringern von Entzündungen sowie Vermeidung von Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum können dazu beitragen, das Risiko für Brustkrebs zu verkleinern.

Nimm regelmäßige ärztliche Vorsorgeuntersuchungen wahr.

Quellen für diesen Artikel

Hey, ich bin Carla

Als ehemalige Führungskraft helfe ich Frauen, die aufgrund ihrer Insulinresistenz unter Übergewicht, Unfruchtbarkeit, Wechseljahresprobleme, Heißhunger und Blutzuckerschwankungen leiden, ihre Stoffwechselgesundheit in die Hand zu nehmen und sich endlich wieder wohl in ihrem Körper zu fühlen.

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Alle Rechte vorbehalten. Wichtiger Hinweis: Die hier bereitgestellten Informationen stellen keine medizinische Anwendung dar. Sie dürfen auch nicht als solche verstanden werden. Bei jeglichen Änderungswünschen bezüglich einer ärztlich vorgeschrieben Behandlung (bspw. Absetzen von Insulinsensitizern), muss der behandelnde Arzt konsultiert werden. In den hier veröffentlichten Beiträgen veröffentlicht Carla Langner ihre persönliche Meinung und eigene Erfahrung mit Insulinresistenz. Dies dient der Wissensvermittlung und ersetzt keinen Arztbesuch. Langfristig kann eine Gewicht nur durch eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung reduziert werden.

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