“Mein Arzt hat Hyperinsulinämie bei mir diagnosiziert – ist das etwas anderes als Insulinresistenz?”

Insulinresistenz und Hyperinsulinämie sind nicht dasselbe, gehören aber zusammen. Bei Insulinresistenz und Hyperinsulinämie handelt es sich um zwei unterschiedliche Begriffe, die beide zur Insulinresistenz gehören.

Was bedeutet Hyperinsulinämie?

Hyperinsulinämie setzt sich aus drei Wörtern zusammen, die wir leichter erkennen können, wenn wir sie über Bindestriche miteinander verkoppeln: Hyper-Insulin-Ämie

  • Hyper- = über, zu viel, zu hoch
  • -Insulin- = Insulin (wer hätte das gedacht)
  • und -ämie = im Blut

Hyperinsulinämie bedeutet also nichts anderes, als dass jemand zu viel oder mehr als normal Insulin im Blut hat und beschreibt den Zustand, der bei der Insulinresistenz vorliegt, ohne eine genaue Angabe über die Ausprägung dieses Zustands zu machen.

Was bedeutet Insulinresistenz?

Alle Zellen im Körper haben Rezeptoren für Insulin. Alle Gewebe, alle Organe und sogar unsere roten Blutkörperchen besitzen Insulinrezeptoren. Ein Rezeptor ist der Teil der Zelle, der auf etwas Bestimmtes (z.B. Insulin) reagiert.

Eine Insulinresistenz liegt vor, wenn diese Rezeptoren nicht mehr reagieren oder wenn sie abgebaut werden und die Zellen nicht mehr auf Insulin reagieren können. 

Aber warum bauen Zellen ihre Insulinrezeptoren ab?

Wie entsteht Insulinresistenz?

Eins vorweg: Es gibt unterschiedliche Ursachen für Insulinresistenz. Im In:Balance-Kurs gibt es dazu ein eigenes Video.

Aus unterschiedlichen Gründen, z.B. bei einem hohen Blutzucker, greifen die Zellen zu einer Notfallstrategie und werden unempfindlich gegenüber Insulin. Denn die Zellen können nur eine begrenzte Menge an Glukose ( = Blutzucker) verarbeiten. 

Ist der Glukosespiegel im Blut aber zu oft höher als benötigt, dann wehren sich die Zellen dagegen und werden immun – eben resistent.

Insulinresistenz richtig bestimmen: der HOMA-IR

Den Grad dieser Resistenz können wir nachmessen, indem wie den HOMA-IR erheben. Beim HOMA-IR werden Nüchternblutzucker und Nüchterninuslinwert miteinander ins Verhältnis gesetzt. Deshalb ist der HOMA-IR auch so ein wichtiger Marker bei Insulinresistenz. Denn der alleinige Wert des Nüchternblutzuckers reicht überhaupt nicht aus, um irgendetwas festzustellen. 

Um eine Insulinresistenz bestätigen oder ausschließen zu können, muss man wissen, wie viel Insulin der Körper braucht, um diesen Nüchternblutzucker zu halten.

Ein Beispiel

Patientin A

  • Nüchternblutzucker: 85 mg/dl
  • Nüchterninsulinwert: 5,0 mlU/l
  • HOMA-IR: 1,0
  • Ergebnis: gesunder Stoffwechsel

Patientin B

  • Nüchternblutzucker: 85 mg/dl
  • Nüchterninsulinwert: 10,0 mlU/l
  • HOMA-IR: 2,1
  • Ergebnis: insulinresistent

Patientin C

  • Nüchternblutzucker: 105 mg/dl
  • Nüchterninsulinwert: 20,0 mlU/l
  • HOMA-IR: 5,2
  • Ergebnis:Typ-2-Diabetes

Die Patientinnen A und B haben den gleichen Nüchternblutzucker, und zwar einen, der im wünschenswerten Normalbereich liegt. Aber nur eine ist insulinresistent, nämlich diejenige, die hyperinsulinämisch ist – die Patientin, die mehr als normal Insulin im Blut hat, in diesem Fall Patientin B.

Patientin C ist bereits Typ-2-Diabetikerin und ebenfalls hyperinslinämisch – nur eben mit einem viel höheren Ausprägungsgrad, der sich im HOMA-IR von 5,2 darstellt.

Nur den Nüchternblutzucker zu messen, wie es immer noch die Mehrheit der Ärzte tut, ist also nicht ausreichend, um eine Insulinresistenz (ohne Typ-2-Diabetes) feststellen zu können.

Denn bei Insulinresistenz liegt der Nüchternblutzucker Jahre und jahrzehntelang im Normalbereich. Erst wenn die Insulinresistenz schon sehr stark ausgeprägt ist, steigt der Nüchternblutzucker an. Das ist der Grund, weshalb die meisten Frauen mit einer IR erst so spät diagnostiziert werden. 

Wo sich das doch so einfach verhindern ließe…

Diagnose Hyperinsulinämie – was tun?

Wenn dein Arzt dich mit Hyperinsulinämie diagnostiziert, dann weißt du jetzt, was das bedeutet: Du bist insulinresistent – willkommen im Club!

Was solltest du jetzt tun? Hier sind deine nächsten drei Schritte:

  1. Du solltest über einen oGTT nachdenken, denn der oGTT kann dir Aufschluss darüber geben, wie dein Körper wirklich auf Glukose reagiert. Beim HOMA-IR ist das nicht möglich, es ist für deinen Umkehrungsprozess aber wahnsinnig wichtig zu wissen, welches Muster (erhöht, unterzuckert, Flatliner) dein BZ aufzeigt.
  2. Dann solltest du dir darüber Gedanken machen, was erreicht werden muss, damit dein Stoffwechsel wieder ins Lot kommen kann. Für viele ist das eine dauerhafte Ernährungsumstellung. Für andere liegt der Fokus auf Stressmanagement oder Verbesserung des Schlafverhaltens.
  3. Finde ein System, dass es dir erlaubt, Methoden und Maßnahmen zu ergreifen, die in deinen Alltag passen. Manche Frauen tun sich sehr schwer damit, ihre Ernährung so umzustellen, dass die Insulinresistenz erfolgreich umgekehrt und schlimme Folgeerkrankungen (Diabetes, Herzerkrankungen, Alzheimer etc.) verhindert werden können. 

    Du kannst auch schon mal mein Blutzucker-Quiz spielen, um herauszufinden, ob deine Ernährung deinen Stoffwechsel unterstützt oder nicht.

    FAQ zum Zuckerbelastungstest

    Fragen aus meiner Instagram-Community

    Wird beim oGTT der Insulinwert mehrfach gemessen und geht das überhaupt?

    Der Insulinwert wird insgesamt normalerweise ein Mal gemessen, nämlich nüchtern. Außer, wenn z.B. ein Schwangerschaftsdiabetes vermutete wird, dann wird der Insulinwert auch drei Mal gemessen, wie der Blutzucker.

    Wenn die Werte doch normal erscheinen, woran kann man erkennen, dass man trotzdem Diabetes haben kann?

    Nur die Nüchternwerte sind normal bei einer Hyperinsulinämie. Deshalb wird auch insgesamt drei Mal Blut abgenommen, um den Verlauf zu überprüfen. Denn nach der Einnahme des Glukosesirups steigt bei einer Hyperinsulinämie der Blutzucker sinkt stark ab, bzw. kann er auch stark absinken. Bei einem stoffwechselgesunden Menschen sind die Werte bei allen drei Messungen normal.

    Welche Möglichkeiten gibt es noch, um eine IR oder Diabetes feststellen zu können?

    Neben dem oGTT gibt es noch die Möglichkeit, einen C-Peptid-Test oder den HbA1c-Wert messen zu lassen. Diese sind allerdings nicht so zuverlässig. der oGTT ist tatsächlich der beste Weg.

    BEI MIR WURDE HYPERINSULINÄMIE NACH DER BLUTABNAHME FESTGESTELLT, EINEN ZUCKERBELASTUNGSTEST HABE ICH NIE GEMACHT.

    Wenn du nur eine normale, einfach Blutabnahme gemacht hast, müsstest du dich nochmals erkundigen, ob da der Blutzuckerwert oder auch der Insulinspiegel gemessen wurde. Schau bitte genau auf den Befund. Steht dort etwas vom HOMA-Index-Wert? Dieser gibt an, ob du insulinresistent oder schon Typ-2-Diabetiker bist. Allerdings: Wenn nur die beiden Nüchternwerte gemessen wurden, ist das NICHT aussagekräftig. Diese sind bei der Insulinresistenz fast immer normal. Ausschließlich der oGTT kann da Klarheit schaffen.

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    Alle Rechte vorbehalten. Wichtiger Hinweis: Die hier bereitgestellten Informationen stellen keine medizinische Anwendung dar. Sie dürfen auch nicht als solche verstanden werden. Bei jeglichen Änderungswünschen bezüglich einer ärztlich vorgeschriebenen Behandlung (bspw. Absetzen von Insulinsensitizern), muss der behandelnde Arzt konsultiert werden. In den hier bereitgestellten Beiträgen veröffentlicht Carla Langner ihre persönliche Meinung und eigene Erfahrung mit Insulinresistenz. Dies dient der Wissensvermittlung und ersetzt keinen Arztbesuch. Langfristig kann eine Gewichtsreduktion nur durch eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung erreicht werden.

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