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Wenn ich mich so durch die Blogosphäre und durch Social Media zum Thema „zuckerfrei“ klicke, fällt mir immer wieder auf, wie häufig von Zuckersucht gesprochen wird. Dabei schildern die Betroffenen sehr ähnliche Symptome. Aber gibt es Zuckersucht überhaupt? Oder könnte etwas Anderes die Ursache für das suchtartige Verhalten sein?

Was soll Zuckersucht sein?

Zuckersucht wird so beschreiben, dass der Betroffene nicht ohne Süßigkeiten leben kann. Dazu fällt mir eine Ankedote ein. Vor ein paar Monaten habe ich mit einer guten Freundin einen Flohmarkstand gebucht. Nach mehr als drei Kleidergrößen Gewichtsabnahme ist mein Schrank nun sehr übersichtlich, um nicht zu sagen fast leer, denn das Schrumpfen scheint noch nicht zu Ende, auch wenn ich mein „Normalgewicht“ als Erwachsene bereits unterschritten habe. Dementsprechend war der Stand auch gut besucht von Frauen, die sich wahnsinnig über günstige und gut erhaltene Kleidung in Kleidergröße 48 freuten.

Eine Kundin ist mir einfach nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Weil sie nämlich fragte, warum ich das alles verkaufen wollte und ich ihr antwortete, dass ich rausgeschrumpft sei. Daraufhin erwähnte sie, dass sie aufgrund von Prä-Diabetes (also Insulinresistenz und auf dem besten Weg zur Typ-2-Diabetikerin) genauso so viel zugenommen hätte. „Aber zwei Mal Zucker in der Woche, das muss einfach sein.“ Das verschlug mir die Sprache.

Dazu muss man natürlich wissen, dass ich zuerst die zuckerfreie und ketogene Ernährung entdeckt habe und dann erst herausfand, dass mein Körper zu viel Insulin produziert. Dadurch, dass ich solange nicht diagnostiziert, bzw. falsch diagnostiziert war, war ich offen genug, um ein alternatives Ernährungskonzept zulassen zu können. Was wäre wohl passiert, wenn ich zuerst die Diagnose erhalten hätte? Wäre ich immer noch auf dem Weg zur Typ-2-Diabetikerin? Nicht auszudenken, wie es mir heute ergehen würde. Was bin ich froh, dass mich zum richtigen Zeitpunkt die Informationen gefunden haben, die ich so dringend brauchte.

Aber wie war es denn vor meiner Umstellung? Wenn ich mich zurückerinnere, solange ist es ja gar nicht her, da habe ich überwiegend stärkehaltige Produkte ohne Gluten gegessen und ja, auch Zucker. Mal ganz abgesehen vom versteckten Zucker, standen auch Süßigkeiten auf meinem Speiseplan. Zwar nicht durchgängig, aber eben phasenweise.

Zuckerfreies Leben? Undenkbar!

Nie im Leben hätte ich mir vor meiner Umstellung träumen lassen, dass ich Zucker relativ einfach von meinem Speisezettel verbannen kann. Süß war der einzige Spaß in meinem Leben, denn allein schon glutenfrei essen zu müssen, kann mitunter sehr anstrengend sein. Hinzu kam noch eine Unverträglichkeit jeglicher Milchprodukte. In Berlin mit einer überdurchschnittlichen Hipster-Dichte, ist das weniger problematisch. Aber wenn ich mal außerhalb Berlins war, habe ich gemerkt, wie ätzend es für andere sein muss.

Ich verurteile also niemanden, dem es schwerfällt, zuckerfrei zu leben. Ich kann auch niemanden verurteilen, der sich gegen besseres Wissen wehrt, wie die Frau auf dem Flohmarkt. Das ist auch gar nicht meine Aufgabe. Ich stelle lediglich Informationen und meine persönlichen Erfahrungen und Meinungen zur Verfügung. Mehr nicht.

Nur bin ich was den Konsum von Zucker und das Phänomen Zuckersucht betrifft vielleicht anderer Auffassung, eben weil mein Einstieg ganz anderes war, und weil ich mittlerweile viel weiß über wie Wirkung von Insulin. Denn in der Zuckerfrei-Bewegung wird ja gerne vom Blutzucker gesprochen. Aber kaum einer macht sich mal die Mühe, sich mit Insulin, dem wahren Problem, zu befassen.

It`s Insulin, Stupid!

Deshalb kommt jetzt an dieser Stelle meine sehr unpopuläre und sehr spekulative Meinung zur Zuckersucht: Es gibt keine Zuckersucht. Wer nicht vom Zucker loskommt, ist Prä-Diabetiker und sollte sich testen lassen, und zwar richtig. Nicht so ein Wischi-Waschi-Blutbild, dass du bei jedem Arzt bekommst, sondern einen oGTT, einen Zuckerbelastungstest. Wenn du da durch bist und du nachweislich keine Insulinresistenz  hast, DANN können wir nochmals über andere Ursachen der Zuckersucht sprechen.

Das wird jetzt einige aufregen, was ich hier geschrieben habe. Aber mit dem, was ich in den letzten Monaten gelernt habe, erkläre ich mir das Phänomen Zuckersucht so: Nur eine einzige Substanz wegzulassen, löst nicht das Problem, dass du zu viele Lebensmittel konsumierst, die den Insulinspiegel erhöhen. Damit meine ich alle Kohlenhydrate.

Wie oft lese oder höre ich Aussagen wie „Ich lebe jetzt zuckerfrei, und wenn ich Heißhunger auf Süßes habe, esse ich eben ein halbes Glas Dattelmus/Honig/Obst/etc.“ Oder mein Favorit: „Ich habe jetzt jeglichen Industriezucker aus meiner Wohnung entfernt und alles ersetzt durch Kokosblütenzucker“. Setzen, Sechs! Kokosblütenzucker, Reissirup, Honig – ist alles Zucker. Die Unterschiede sind marginal.

Welche Symptome treten auf bei Zuckersucht?

Ich habe hier mal alle Symptome gesammelt, die ich online auf einschlägigen Seiten gefunden habe und gehe diese Schritt für Schritt aus meiner subjektiven Perspektive durch:

  1. Heißhunger nach Süßem: Zu hoher Insulinspiegel verursacht Unterzuckerung, Unterzuckerung macht hungrig, nach möglichst schnell verfügbarem Zucker, damit der Blutzuckerspiegel sich wieder normalisiert.
  2. Heißhungerattacken, unkontrolliertes Essen, Überessen: s. Punkt 1.
  3. Emotionales Essen: Ein erhöhter Insulinspiegel macht anfälliger für negative Stimuli.
  4. Bunkern von Süßigkeiten: s. Punkt 1.
  5. Heimliches Naschen: s. Punkt 1.
  6. Nicht „Nein“ sagen können zu Süßigkeiten: s. Punkt 1.
  7. Unreine Haut/Hautprobleme/Akne: Insulin wirkt entzündungsfördernd, warum sollte sich da die Haut nicht entzünden.
  8. Häufiges Kranksein: Auch dieses Symptom könnte aufgrund eines erhöhten Insulinspiegels auftreten.
  9. Schlafprobleme: Dafür gibt es viele Ursachen.
  10. Entzugserscheinungen: s. Punkt 1.
  11. Stimmungsschwankungen: Kenne ich aus eigener Erfahrung, dass man aufgrund von Unterzuckerung gereizt ist, was ja auch nicht verwundert, wenn der Körper in einem Notfallzustand und kurz vor der Ohnmacht ist.
  12. Unfähigkeit, klar denken zu können, Konzentrationsschwierigkeiten: Auch dies ist ein Symptom, wir das es viele Ursachen gibt. In meinem Fall war es Veganismus.
  13. Übergewicht: Wie Jason Fung in seinem Buch erklärt (Achtung, das könnte Werbung sein), ist zu viel Insulin die Ursache für Adipositas und Übergewicht.
  14. Gescheiterte Diätversuche: S. Punkt 1.
  15. Scham- oder Schuldgefühle bezüglich essen: S. Punkt 1.
  16. Seelische Gründe: S. Punkt 1.
  17. Darmpilze: Dazu kann ich mich nicht äußern, da ich keine Erfahrung damit habe.

Wie man sehen kann, könnten mindestens neun der 17 Symptome aus der Perspektive der Hyperinsulinämie (zu viel Insulin) zumindest theoretisch erklärbar sein. Wenn du dich darin wiedererkennst, dann tu dir selbst einen Gefallen und besprich mit deinem Arzt einen Zuckerbelastungstest.

Zucker und die Psyche

Zuckersucht wird auch sehr gerne mit psychischen Problemen erklärt. Warum? Weil man das Individuum dafür verantwortlich machen kann. Du wurdest eben nicht genug geliebt, deshalb musst du jetzt Zucker fressen. Woher kenne ich diese Argumentation nochmal?… Ach ja, von meinen unterqualifizierten Ärzten, die meinten, dass meine Fußschmerzen und meiner Hormonstörung reine Einbildung sind und denen man nachträglich die Lizenz entziehen sollte. Wo die eigene Kompetenz versagt, wird dem Patienten die Schuld zugeschoben. Was man nicht erklären kann, kann ja nur psychisch sein.

Hat die Natur uns wirklich so designt, dass wir bei psychischen Problemen in die Gummibärchentüte greifen, weil sie süß schmeckt? Die Natur macht keine Fehler. 7,5 Millionen Typ-2-Diabetiker in Deutschland wären sonst fehldesignt von der Natur. Dabei ist es längst offiziell, dass der Verzehr von Zucker die Ursache ist für Adipositas und Typ-2-Diabetes. Aber lieber den Betroffenen einreden, sie sind Schuld, dann ist die Zuckerindustrie fein raus.

Was ich hier nicht leugnen will, sind die Auswirkungen auf das Gehirn, die Zucker hat. Keine Frage, Zucker wirkt drogenähnlich. Aber im Hirn sitzt die Psyche. Mehr füge ich dem nicht hinzu.

Alle Symptome, die ich aufgrund von Zuckersucht aufgezählt finde, lassen sich zumindest theoretisch mit Störungen des Insulinspiegel erklären. Ich schrieb das hier nicht, weil ich recht haben will. Sondern weil ich möchte, dass dir das Schicksal eine Typ-2-Diabetes erspart bleibt.

Wenn du diesen Artikel gelesen hast, weil du befürchtest, zuckersüchtig zu sein, dann bitte, bitte, bitte, frag deinen Arzt nach einem Zucker-Belastungstest. Es kostet nur vier Euro und zwei Stunden. Danach hast du nicht nur die Gewissheit, du hast auch Entscheidungsfreiheit: Soll es so weiter gehen und willst du irgendwann sehr krank sein? Oder willst du dein Schicksal in die Hand nehmen und dich besser fühlen? Deine Wahl.

Kennst du schon meine Geschichte? Wenn nicht, lies dich jetzt schlau, wie und warum ich zur zuckerfreien, ketogenen/Low-Carb Ernährung gekommen bin.

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