10.000 Schritte am Tag gehen – Interview mit Autorin Daniela Cortolezis

von Blog

Zum Gehen habe ich einen besonderen Bezug – weil ich es aufgrund einer diabetischen Polyneuropathie mit Mitte 30 nicht mehr schmerzfrei konnte. Bei jedem Schritt fühlte es sich an, als würde ich über glühende Stecknadeln laufen. Meine beste Freundin meinte, ich hätte mich damals bewegt wie eine alte Frau, vor Schmerzen gekrümmt. Mein Orthopäde war der Ansicht, dass ich mir die Schmerzen nur einbilden würde. Ärztliches Versagen, dem ich zum Opfer gefallen war. 

Aus dieser Polyneuropathie kann ein Diabetisches Fußsyndrom entstehen, was im schlimmsten Fall in einer Amputation enden kann. Auch heute noch werden Diabetikern Zehen, Füße und andere Körperteile abgenommen. Das hätte auch mir passieren können, hätte ich nicht den Mut gehabt, mich auf ein letztes Experiment einzulassen.

Die Schmerzen sind verschwunden. Es war eins der ersten Symptome meiner Insulinresistenz, das sich innerhalb der ersten Wochen stark verbesserte. So schnell, dass ich es nicht glauben konnte: Ich konnte wieder gehen. Deshalb ist dieses Interview auch ein Plädoyer für die einfachste und vielleicht schönste Art der Fortbewegung.

Wenn wir klein sind, ringen wir mit aller Macht darum, es zu erlernen. Wenn wir alt sind, tun wir alles, um uns diese Grundfähigkeit zu erhalten. Aber dazwischen? Steigen wir lieber ins Auto und lassen uns tragen. 

Dann kam im letzten Jahrzehnt der Trend auf, Schritte zu zählen. 10.000 am Tag sollten es sein. Autorin und Blogger-Kollegin Daniela Cortolezis hat sich dieses Phänomens angenommen und ihre Erfahrung damit in ihrem neuen Buch “Über die Lust am Gehen” aufbereitet. 

Carla: In “Über die Lust am Gehen” beschreibst Du Deine persönlichen Erfahrungen damit, ein tägliches Schrittpensum von 10.000 zu absolvieren – wann hattest Du das Gefühl, dass Dir Dein Vorhaben zu einer richtigen Gewohnheit geworden ist? Musstest Du dich sehr überreden?

Daniela: (lacht) Ja, ich hatte ganz schön zu tun, mich zum Gehen selbst zu überreden und habe gefühlt mehr als 10.000 Anläufe genommen, bis die Sache so richtig ins Laufen kam. 

Natürlich dauert es seine Zeit, bis sich neue Gewohnheiten einschleifen und zuvor führt kein Weg daran vorbei, sie Tag für Tag aufs Neue zu praktizieren. Doch mit dem Wissen um das „Warum nur tue ich mir das freiwillig an?“ und einer gewissen Regelmäßigkeit, die ich mir selbst verordnet habe und auch noch heute verordne, habe ich schon bald den ersten Sieg über die Trägheit im Spiel um die täglichen 10.000 Schritte verbuchen können. 

Rückblickend würde ich sagen, dass es schon einige Woche gedauert hat, bis ich das aktive Gehen in meinem Tagesablauf untergebracht habe. 

Carla: Läuft man bei einem Pensum von 10.000 Schritten am Tag nicht Gefahr, sich zu überfordern? Das entspricht ja einer Länge von 6-8 Kilometern.

Daniela: Das klingt vielleicht zu Beginn nach mehr, als es dann im Alltag letztlich ist. Die 10.000 Schritte verteilen sich ja über den Tag und müssen nicht in einem einzigen Walk abgegangen werden. Wer z.B. einen kleinen Morgenspaziergang hinein in den Sonnenaufgang unternimmt, darf sich nicht nur auf ein herrliches Naturerlebnis freuen, sondern wird gleichzeitig mit ein paar tausend Schritten belohnt. Und das womöglich noch vor dem ersten Kaffee. 

In einer Art Selbstversuch habe ich gemessen, wie viele Schritte wir allein im Haushalt bei Verrichtung alltäglicher Tätigkeiten und sogar im Homeoffice verbuchen können. Ein bisschen was kommt da schon zusammen und die Vorstellung von den 6-8 Kilometern verliert in Schritte umgerechnet ihren Schrecken.

Wenn es einmal eng war, habe ich einfach durch andere Bewegungsarten wie z.B. durch Radfahren oder Schwimmen meine Schritte ersetzt. Dazu habe ich eine kleine Umrechnungstabelle erstellt, mit der ich andere Sportarten in Schritte umgewandelt habe. Doch ganz egal, wie man sein Ziel erreichen will, am Ende zählt die Bewegung. 

Carla: Du beschreibst, wie Dich das Gehen achtsamer gegenüber Deinem Körper gemacht hat. Kann ich das nicht viel besser mit Yoga erreichen?

Daniela: Gehen, Walken und ganz besonders Nordic Walking trainiert den ganzen Körper. Alle Muskelpartien werden beansprucht und der gesamte Körper wird gefordert. Eine Art Ausdauertraining wie auf einem Crosstrainer. Nur dass ich dabei in der Natur unterwegs bin und diese mit allen Sinnen erlebe. Beim Gehen beanspruche ich alle Muskeln ohne darüber nachzudenken, spüre Sonne, Wind und manchmal auch Nieselregen im Gesicht und habe das Gefühlt, dass mich meine Füße automatisch tragen. Ich lächle, fühle mich frei und werde schneller, wenn ich einem Schmetterling folgen möchte. Fühle mich eins mit der Natur und freue mich, wenn die Gedanken zu fließen beginnen. Meist tun sie das so schnell, dass ich sie kaum einfangen kann. Körper und Atem werden locker, verschmelzen, Endorphine werden freigesetzt und das Energielevel steigt. Ein Hochgefühl!

Beim Yoga wiederum wende ich mich mehr meinem Inneren zu, dehne den Körper langsam und behutsam. Bleibe kurz in der jeweiligen Position, spüre in die Dehnung hinein und richte meine Konzentration auf den Atem. 

So gesehen eine ideale Kombination und wer es versteht, beide Formen des Trainings miteinander zu verschmelzen, ist ein Glückspilz.  

Carla: Wenn ich ab sofort mehr gehen will – auf welche Werte sollte ich achten und warum?

Daniela: Da ich sehr gerne in Gesellschaft unterwegs bin, gilt für mich, immer darauf zu achten, dass man nur so schnell unterwegs ist, dass man sich noch gut unterhalten kann. Was beim Nordic Walken natürlich mehr ins Gewicht fällt, als bei einem gepflegten Spaziergang. Ich rate davon ab, bei Unpässlichkeiten aller Art, diese zu ignorieren und womöglich in den Schmerz hinein zu gehen. Jeder von uns sollte hier in sich hineinspüren und entsprechend achtsam mit seinem Körper umgehen. Notfalls auch eine kleine Pause einlegen.

Carla: Auf Seite 45 beschreibst Du, dass man überall gehen kann – aber kann sofortige Verfügbarkeit auch ein Hindernis auf dem Weg zur Besserung sein?

Daniela: Wo Sonne ist, ist auch Schatten. Oder jeder Vorteil kann auch einen Nachteil mit sich bringen. Um zu gehen braucht es nicht viel mehr, als die Haustür hinter sich zu schließen und loszulegen. Jederzeit losmarschieren zu können birgt in sich jedoch auch die Gefahr des Aufschiebens. Wenn nicht jetzt, dann ein bisschen später oder vielleicht am Abend. Oder morgen. Oder übermorgen. Da hole ich dann alles nach… Jeder von uns hat Ausreden, die garantiert immer funktionieren und schon ist die Regelmäßigkeit und mühsam aufgebaute Routine bei der erstbesten Gelegenheit dahin. Daher immer einfach losmarschieren, ohne lange zu fackeln.

Carla: Verrate uns Deine besten Geh-Tipps. Wie fängt man an, wenn man vielleicht eher ein Stubenhocker ist? Welche Schuhe empfiehlst Du? Was tust Du gegen Motivationslöcher?

Daniela: Sehr gerne! Selbst dem hartgesottensten Stubenhocker wird es garantiert Spaß machen, seine Schritte zu zählen. Wir sehen gerne Schwarz auf weiß, dass tatsächlich etwas weitergeht. Somit ist mein Tipp Nummer Eins, sich einen Schrittzähler zu besorgen. Spaß und Bewegung werden Hand in Hand gehen.

Gutes Schuhwerk ist sehr wichtig. Ich bevorzuge dabei feste Schuhe, die guten Halt geben, rutschfest und wasserdicht sind. Dann ist man auf der sicheren Seite.

Motivationslöcher kommen leider immer wieder vor und ich befürchte, da geht es uns allen gleich. Also nicht so ernst nehmen, lächeln, Schuhe anziehen, Tür aufmachen und den ersten Schritt tun. Schon bin ich wieder unterwegs und das Motivationsloch ist meist wie wegeblasen.

Link zum Buch: https://www.garteninspektor.com/uumlber-die-lust-am-gehen.html

Daniela Cortolezis ist Autorin und Gründerin des Garteninspektor Gartenblogs und mehrere Bücher zu den Themen Gärtnern, Pflanzenhaltung und nun eben auch das Gehen.

Mehr über ihre Bücher gibt es hier.

Mehr über Danielas Garten & Pflanzen.

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Carla ist Coachin für Insulinresistenz und Expertin für stabilen Blutzucker. 

Fälschlicherweise wurde bei ihr ein Hirntumor diagnostiziert, obwohl sie tatsächlich unter Insulinresistenz litt. Durch eigenes Handeln konnte sie innerhalb von 14 Monaten ihre Hormone ins Gleichgewicht bringen und ihr Übergewicht  und andere Symptome beseitigen.

Carla lebt seit 2019 symptomfrei mit stabilem Blutzuckerspiegel und hilft anderen betroffenen Frauen dabei, ihre Stoffwechselprobleme dauerhaft zu lösen.

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