Zuckerfrei, ketogen, Low-Carb, Clean Eating – egal, welche Ernährungsumstellung du versuchst, wenn es nicht klappt, liegt es nur selten an der Ernährung. Ich befasse mich seit über 15 Jahren mit menschengerechter Ernährung, der Frage, warum ich bei PMs anders esse als sonst, wie meine Hormone meinen Hunger beeinflussen, und wie ich langfristig gesund essen kann und sollte.

Es ist nicht einfach, seine Ernährung dauerhaft umzustellen. Ich würde mich aber nicht als überdurchschnittlich diszipliniert bezeichnen. Ich kann sehr fleißig und ich kann sehr faul sein. Was Ernährung betrifft, so bin ich mittlerweile zu der Haltung gekommen, dass ich es gerne schnell und einfach haben möchte, weil es in meinem Leben wichtigere Dinge gibt als Essen. Obwohl ich meine Ernährung als eine der Grundlagen ansehe, um leistungsfähig zu sein.

Egal, welchen Ernährungsstil ich ausprobiert habe (Roh, rohvegan, vegan, High-Carb, ketogen, zuckerfrei, ketocarnivore), ich adaptiere eine neue Ernährungsweise schneller als andere in meinem Umfeld und bleibe auch immer recht lange dabei. Dafür mag es mehrere Gründe geben. Zum Beispiel, dass ich lange schwer krank war und andere nicht. Oder dass ich nicht sehr leidensfähig bin und Dinge verändere, wenn sie mich stören. Es gibt aber auch noch etwas anderes in meiner Persönlichkeit, das mich dazu befähigt, Neues auszuprobieren und durchzuhalten. Davon handelt dieser Beitrag. Denn ob du langfristig Erfolg hast mit deiner Ernärhungsumstellung, hängt aus meiner Sicht auch mit der Persönlichkeit zusammen.

Fritz Riemann war ein deutscher Psychoanalytiker, Therapeut und Psychologe. Ich beschreibe hier ein Modell von ihm, das ich als sehr hilfreich bei der Frage finde, warum es manche Leute einfach nicht schaffen, ihre Ernährungsgewohnheiten umzustellen. Denn nicht immer ist es ein Mangel an Motivationszitaten auf deiner Pinterest-Pinnwand.

Die vier Persönlichkeiten nach Riemann

Nach Riemann gibt es vier Persönlichkeiten, alle vier vereinen wir in uns und reagieren ihnen entsprechend je nach Situation. Diese vier sind: zwanghaft, schizoid, depressiv und hysterisch. Klingt erst einmal ziemlich furchtbar und nicht nach einem selbst. Das sind aber auch die Extreme, die er aufzeigt. Die meisten lassen sich einer sehr viel schwächeren Ausprägung zuordnen. Der Zwanghafte ist dann jemand, der Routinen mag und sehr strukturiert vorgeht. Der Hysterische ist jemand, der über den Tellerrand hinausdenken kann und gerne neue Ideen ausprobiert. Ein Schizoider wirkt auf sein Umfeld etwas reserviert und der Depressive mag einfach keinen Streit. Klingt doch schon ganz anders.

Was hat das jetzt mit Ernährung zu tun? Wer seine Ernährung umstellen will, muss sich nicht nur neue Gewohnheiten zulegen, sondern sich vor allem gegen Widerstände aus dem Umfeld behaupten. Seien wir mal ehrlich: Die meisten Ernährungsumstellungen funktionieren langfristig nicht, weil die Kinder, der Partner, die Freunde oder die Kollegen Druck auf einen ausüben. Aus welchen Gründen auch immer, manchmal aus Neid, oft aber aus Angst oder schlicht Bequemlichkeit.

Die Gründe der anderen spielen in diesem Zusammenhang kaum eine Rolle. Ausschlaggebend ist, wie du darauf reagierst: Ist es dir egal? Bekommst du Angst? Nervt es dich? Wenn diese Gefühle aufkommen, dann hat das etwas mit deiner Persönlichkeit zu tun. Einer der vier Typen nach Riemann tut sich nämlich überhaupt nicht schwer mit einer solchen Lebensentscheidung: der Schizoide.

Schizoide Menschen erleben sich als abgetrennt von der Welt und damit fällt es ihnen besonders leicht, Veränderungen vorzunehmen. Ganz anders der Depressive, der aus lauter Verlassensangst lieber alles beim Alten belässt, statt sich neu zu orientieren. Der Zwanghafte muss erst alles durchdenken und kann bestenfalls in kleinen Schritten vorgehen, die macht er dafür aber sicher. Und Hysteriker probieren alles von heute auf morgen aus, ohne viel nachzudenken. Das sind die Leute, die von jetzt auf gleich mit dem Rauchen aufhören und nach drei Tagen alle kritisieren, die es ihnen noch nicht gleich getan haben. Drei Monate später hängen sie aber wieder am Glimmstengel und reden darüber, wie sie jetzt mit Cryotherapie dem Gewicht zu Leibe rücken wollen, um dir drei Wochen später vorzuschwärmen, wie toll Zumba ist.

Ich empfehle jedem, der sich für Motivation interessiert, sich einmal etwas von Rieman durchzulesen. Denn was sehe ich immer wieder: Menschen, die ein depressives Naturell haben, tun sich besonders schwer. Es sind meistens die Menschen, die in der Familie für den Zusammenhalt sorgen und sich gerne alle möglichen Aufgaben aufhalsen, nur damit es anderen gut geht. An sich zu denken, das kommt nicht in Frage. Nicht aus Altruismus, sondern aus Angst, nicht mehr dazuzugehören.

Ein Beispiel: Neulich saß ich bei einer Bekannten in der Küche. Es kam eine weitere Frau hinzu, sehr herzlich, lebensfroh und korpulent. Natürlich kamen wir (ohne mein Zutun, wie ich hier betonen möchte) auf das Thema Ernährung zu sprechen. Denn vor ein paar Tagen hatte sie die Diagnose „Insulinresistenz“ erhalten. Wer diese Seite öfters besucht, der weiß, wie viel mir die Diagnose bedeutet hat und dass ich schon vorher mein Leben einem Rundumschlag unterzogen habe, mit einer gewaltigen Aufräumaktion, zwei Jobwechseln und eben auch einer gelungenen Ernährungsumstellung.

Diese Frau hingegen war so resistent gegen Veränderung, wie man es nur sein kann. Der Arzt schien sie nicht weiter aufgeklärt zu haben, was Insulinresistenz eigentlich bedeutet. Denn IR zieht Folgeerkrankungen mit sich, dazu gehören etwa Erkrankungen der Herzgefäße oder in manchen Fällen sogar Krebs (Riehle & Abel, 2016; Tsujimoto et al. 2017). Davon schien sie gar nichts zu wissen, und noch schlimmer: nichts wissen zu wollen. Sie ist zweifache Mutter. Sie ist stark übergewichtig – dass dies schon eine Einschränkung darstellt, die über das Kosmetische hinausgeht, darüber sind wir uns wohl einig. Ich diskriminiere hier niemanden mit Übergewicht. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, wie es sich anfühlt, zu schwer zu sein.

Wie man aber das Risiko eingehen kann, seine Kinder nicht aufwachsen sehen zu können, weil die Pumpe vorzeitig schlapp macht, das kann ich einfach nicht verstehen. An anderer Stelle sprach ich bereits über das Warum und wie wichtig es ist. Warum willst du zuckerfrei, low-carb oder was weiß ich wie essen? Sind Kinder nicht ein guter Grund? Hat der Arzt einfach seinen Job nicht gemacht? Wäre es nicht seine Aufgabe, ihr zu erklären, was sie sich antut, wenn sie weiterhin solche Mengen an Zucker und Kohlenhydraten vertilgt? Vielleicht hat er das. Vielleicht hat sie danach im Netz recherchiert. Oder eben nicht. Das wird wohl seinen Grund haben und ich vermute, dass es an ihrer Persönlichkeit liegt, die es ihr um ein Vielfaches schwerer macht, sich auf neue Dinge einzulassen. Anders zu essen als alle anderen Familienmitglieder. Nicht mehr voll zur Gruppe dazuzugehören. Das fällt Menschen mit depressiver Persönlichkeit so schwer, dass sie lieber die Augen vor der Wahrheit verschließen.

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Beitrag ein kleines bisschen Klarheit in das Thema „Ernährungsumstellung und Motivation“ bringen. Vielleicht hast du dich ja auch wiedererkannt und kannst dich nun ganz anders darauf einlassen.

Ich drück dir die Daumen, dass du es schaffst!

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