Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information, stellt meine subjektive Meinung dar und ersetzt keinen Arztbesuch. Ich schließe jegliche Haftungen aus.

Seitdem ich mich besonders auf Instagram mit andern zuckerfrei Essenden austausche, kommt es vor, dass man mich darum bittet, eine Art Anleitung zu geben, wie ich es geschafft habe, vom Zucker loszukommen. Eine Anleitung, wie das Schritt für Schritt geht, gibt es nicht. Kein „tu dies, dann passiert das“. Das ist Augenwischerei. Jeder hat sein eigenes Zuckerpäckchen zu tragen. Aber es gibt Unterschiede, die es einem leichter oder schwerer machen, zuckerfrei zu leben, und um diese Unterschiede geht es in diesem Beitrag.

#1 Warum mir zuckerfrei leicht fällt: Ich habe ein starkes Warum

Kennst du schon meine Geschichte? Wenn nicht, dann lies jetzt nach, warum ich zuckerfrei lebe. Ich hatte große gesundheitliche Probleme, die sich in drei Hauptsymptomen ausdrückten: Immer hungrig, hormonelle Schwankungen und Fußschmerzen. Alle Symptome ließen sich auf eine nicht diagnostizierte Prä-Diabetes (Insulinresistenz) zurückführen. Mindestens einer meiner drei dazu konsultierten Ärzte hätte das herausfinden müssen. Hat aber keiner. Das musste ich selbst tun, nachdem ich am Ende war und mich der Lebenswille fast verlassen hätte. Aber dieses Internet wusste, was ich brauchte und so fand ich mehr zufällig als bewusst eben genau die Informationen, die ich brauchte. Diese Zeit, in der ich auf der Couch gelebt habe, weil ich mich vor Schmerzen nicht mehr rühren konnte und mir meine Ärzte meinten, ich sei total gesund, hat ihre Spuren hinterlassen. Ich habe absolut keinen Grund, mich wieder „normal“ zu ernähren, auch weil ich überzeugt bin, dass alle Symptome wiederkommen würden. Mir wurden aufgrund mangelhafter ärztlicher Kompetenz die besten Jahre meines Lebens geraubt. Diese Zeit kommt nicht wieder. Warum sollte ich also wieder Zucker essen? Es gibt nicht einen Grund dafür, und viele Gründe dagegen.

Viele Insulinresistente verspüren diesen Leidensruck nicht. Vor ein paar Monate saß ich bei einem Business Breakfast gegenüber einer sehr netten und liebevollen adipöse Frau, die auch eben erst mit Insulinresistenz diagnostiziert worden war. Sie hatte keinerlei Motivation, ihre Ernährung umzustellen. Warum auch? Außer dem starken Übergewicht ging es ihr so weit gut. Sie schlief gut, hatte ein funktionierendes Familienleben, warum also auf Zucker und Kohlenhydrate verzichten? Abnehmen ist der schwächste Grund, um einen Zuckerentzug durchzuführen. Denn sobald man annährend sein Wunschgewicht erreicht hat, ist es vorbei mit dem Grund. Dann erinnert man sich rückblickend auch nur noch daran, wie anstrengend alles war und das war es dann. Was der adipösen Insulinresistenten gut getan hätte, wären mehr Informationen: Wer insulinresistent ist, riskiert einen frühen Herzinfarkt. Wäre schon blöd, wenn ihre Kinder ohne sie aufwachsen müssten, nur weil sie nicht ausreichend informiert worden ist von ihrem Arzt.

#2 Warum mir zuckerfrei leicht fällt: Zuckerfrei heißt alle Zucker

Wenn ich zuckerfrei sage, dann meine ich nicht nur den weißen Haushaltszucker. Ich schließe alle Zucker mit ein, auch den fälschlicherweise hochgelobten und leider gar nicht niedrigglykämischen Kokosblütenzucker, zugesetzte Zucker jeglicher Art, Fruktose, Obst, stärkehaltige Produkte. Denn was die meisten nicht wissen: Es spielt fast keine Rolle, ob man Zucker oder Brot ist. Es wird gerne argumentiert, dass es gerade bei Vollkornprodukten länger braucht, um aufgespalten zu werden und dass der Zucker langsamer ans Blut abgegeben wird – ich habe bis heute keinen Nachweis darüber gefunden, wie viel länger es braucht, aber so groß wird der Unterschied nicht sein. Bei Zucker und Weißbrot beträgt er etwa eine Viertelstunde, das konnte ich einer Studie entnehmen. Aber das auch nur bei einem gesunden Erwachsenen. Was, wenn man nicht mehr gesund ist? Dann sollte man auch logisch daraus folgern, dass diese Aussage dann nicht mehr zutrifft. Es wird aber weiterhin propagiert, dass man Getreideprodukte essen soll. Warum? Wirtschaftliche Interessen? Oder Angst, sich gegen die Konventionen aufzulehnen?

Ich finde es unverantwortlich, solche Informationen zu verbreiten und dadurch die Gesundheit anderer zu gefährden. Es ist immer das gleiche Spiel: Du hast Probleme mit Zucker und Kohlenhydraten? Solltest du aber nicht, du bist selbst Schuld, es funktioniert so, wie wir sagen und wenn du immer noch Symptome hast, dann machst du etwas nicht richtig. Ich nenne es das #blamegame und egal, wo ich hinsehe im Ernährungsbereich, ist es verbreitet, ganz besonders bei Veganern, die lieben dieses hochgefährliche Spiel.

Merke: Wenn etwas für dich nicht funktioniert, dann denk mal darüber nach, ob wirklich du die Ursache bist, oder die Sache unvollständig und fehlerhaft ist und deshalb nicht funktioniert.

#3 Warum mir zuckerfrei leicht fällt: Ich verstehe Insulin

Das wichtigste, was du bei jeder Art zuckerfreier oder Low-Carb-Ernährung verstehen musst, ist die Wirkung von Insulin.

  1. Insulin wird immer ausgeschüttet, außer wenn du Wasser konsumierst.
  2. Am meisten wird Insulin bei Zucker, Kohlenhydraten und Zucker und Kohlenhydraten in Verbindung mit Fett ausgeschüttet, am wenigsten bei Fett allein.
  3. Wer insulinresistent ist, hat zu viel Insulin, das aufgrund des Zuviels nicht mehr wirkt und sollte deshalb versuchen, so wenig Insulin wie möglich auszuschütten.
  4. Daraus folgt, dass ich grundsätzlich kohlenhydratarme Lebensmittel esse.
  5. Daraus folgt auch, dass ich eben nicht wie empfohlen 5-6 Mal am Tag, sondern 2-3 Mal am Tag esse. So, wie meine Großeltern gegessen haben, und die hatten nicht mit Mitte 30 eine Insulinresistenz. Trotz Butter, Sahne und fettem Fleisch. Komisch, wie haben die das denn angestellt?

Ärzte wie Jason Fung oder Dr. Joseph Kraft haben dazu ganz tolle Bücher geschrieben (unbeauftrage, unbezahlte Werbung), die genau erklären, wie der Insulinmechanismus funktioniert und wie man eine Insulinresistenz mit Ernährung behandelt. Ich kann jedem Betroffenen diese Bücher nur empfehlen, auch jenen, die sich mit zuckerfreier Ernährung befassen. Danach ist alles, was Blutzucker und Insulin betrifft, sonnenklar. Wer das einmal verstanden hat, der isst anders.

#4 Warum mir zuckerfrei leicht fällt: Ich höre auf meinen Körper (nicht)

Wenn ich , wie ja gerne von weichgespülten Ernährungsberatern empfohlen, auf meinen vom Zucker erkrankten Körper hören würde, dann hätte ich es nie geschafft. Ich würde von morgens bis abends Zucker fressen, weil mein Insulinspiegel Achterbahn fährt und ich gar nicht anders kann, als mich vor einer Unterzuckerung zu schützen, indem ich Zucker esse. Ich hätte auch immer noch das Gefühl eines durch und durch entzündeten Körpers, ich hätte immer noch Schmerzen, die es mir unmöglich machten, am Leben teilzuhaben und ich würde immer noch die falschen Medikamente nehmen.

#5 Warum mir zuckerfrei leicht fällt: Ich lerne immer wieder dazu

Momentan, nach über einem Jahr zuckerfrei und ketogen, befasse ich mich mit Oxalsäuren, Lektinen und anderen Anti-Nährstoffen, die es dem Körper unmöglich machen, Nährstoffe aufzunehmen. Auch ich lerne immer wieder Neuss und muss meinen alten Wissenstand in Frage stellen. Für mich reicht es eben nicht aus, einfach nur weißen Zucker wegzulassen. Ich musste die Kohlenhydrate in meiner Ernährung stark reduzieren und mein zeitliches Fressfenster verkürzen (a.k.a. Intervallfasten). Und dabei sollte es nicht bleiben. Auch ich entdecke nach über einem Jahr immer wieder neue Aspekte. Derzeit esse ich keine Lebensmittel mit Oxalsäuren, weil ich lange vegan und roh gegessen habe und Oxalsäuren erst abgebaut werden, wenn gar keine mehr konsumiert werden. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Du brauchst keine dummen Motivationssprüche. Du brauchst einen Grund, der dich durch den Zuckerentzug trägt. Du brauchst Wissen über Insulin und du brauchst den Mut, etwas auszuprobieren. Unter diesen drei Bedingungen hast du gute Chancen, dauerhaft zuckerfrei leben zu können.

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