Interview mit Tina Schmidt über PCOS

von Blog

Mit Anfang 20 war Tina Schmidt das, was man wohl eine typisch Karrierefrau nennt: Akademisch gut ausgebildet, supererfolgreich in ihrem Job und ambitioniert. Auch in ihrer Freizeit war sie über die Maßen aktiv: “Zusätzlich zu meinem Arbeitspensum habe ich meinen Körper auch mit sehr viel Sport gestresst – natürlich auch im Leistungsbereich, weil normaler Freizeitsport war mir nicht genug.”

Als sie dann die Pille absetzte, ließ ihre Periode auf sich warten und auch die emotionale Gesundheit litt: “Ich hatte extreme Stimmungsschwankungen, von meiner früheren Frohnatur war nicht mehr viel übrig und ich konnte mich nur noch sehr schwer konzentrieren – ich war wie benebelt.”

Sie ging zum Frauenarzt – und erhielt die Diagnose PCOS. Und leider kein weitere Unterstützung durch ihren Arzt. Deshalb hat sie sich selbst auf die Suche nach Antworten begeben. 2019 kündigte sie den stressigen Job und reiste sechs Monate um die Welt. Danach hat sie sich per Fernstudium zur Ernährungsberaterin weitergebildet und aufgrund ihrere persönlichen Erfahrung den Schwerpunkt auf PCOS gelegt. 

Wie sieht es heute aus mit Tinas Gesundheit? “Mittlerweile habe ich wieder einen regelmäßigen Zyklus und PCOS ist bei mir nicht mehr nachweisbar.” Wie viele Frauen mit PCOS und/oder Insulinresistenz weiß Tina, dass die Schulmedizin kaum Behandlungsmethoden anbietet, obwohl PCOS gut behandelt werden kann – wenn man weiß wie. Dieses “Wie” gibt sie nun in ihrer 1:1-Beratung an betroffene Frauen weiter. Demnächst sollen eine Webseite und ein Online-Kurs hinzukommen.

Carla: PCOS ist eine der bekanntesten und häufigsten Hormonstörungen bei Frauen, aber was genau versteht man eigentlich darunter?

Tina: PCOS ist die Abkürzung für „polyzystisches Ovarialsyndrom.“ Wie du bereits sagst, ist es die häufigste hormonelle Störung bei Frauen im gebärfähigen Alter. Sie betrifft schätzungsweise 116 Millionen Frauen weltweit und kann sich auf die Hormone, die Fruchtbarkeit, die Haut, die Herz-Kreislauf-Gesundheit und den Stoffwechsel auswirken. 

Carla: Welche Symptome können Frauen haben und wie kann man es festellen lassen, wenn man einen Verdacht hegt? Welchen Arzt sollte man dafür aufsuchen? Gibt es Kriterien, woran man einen guten Arzt für PCOS erkennt?

Tina: Die Symptome sind von Frau zu Frau völlig unterschiedlich, was es häufig so schwer macht, eine eindeutige Diagnose zu stellen. PCOS kann viele Gesichter haben und wird daher als Syndrom und nicht als Krankheit bezeichnet. Es gibt ein breites Spektrum an Erscheinungsformen sowie eine Vielzahl von Faktoren, die es charakterisieren.

Zu den häufigsten Symptomen zählen: Gewichtszunahme (vor allem am Bauch), Akne, Haarausfall, männlich geprägter Haarwuchs, Zyklusbeschwerden, Müdigkeit / Erschöpfungserscheinungen, Brainfog.

In der Medizin werden drei Kriterien betrachtet, um eine Diagnose zu stellen: 

  1. Verspäteter Eisprung oder Periode 
  2. Erhöhte männliche Hormone, wie Testosterone oder DHEA 
  3. Polyzystische Ovarien (d.h. „Zysten“ an den Eierstöcken) 

Wenn zwei der drei oben genannten Kriterien zutreffen, spricht man von PCOS. Die nötigen Untersuchungen macht ein Frauenarzt. Zusätzlich kann es sinnvoll sein einen Endokrinologen aufzusuchen.

Einen guten Arzt erkennt man daran, dass er sich den Menschen als Ganzes anschaut. Ich beispielsweise bin nicht der „typische PCOS-Typ“ weil ich schon immer schlank war. Lange ist man davon ausgegangen, dass PCOS nur übergewichtige Frauen betrifft und eine Gewichtsabnahme dabei hilft die Symptome zu regulieren. Mittlerweile weiß man, dass auch Stress eine Ursache sein kann. Das kann der Arzt nur in Betracht ziehen, wenn er auch den Lebensstil der jeweiligen Frau beleuchtet. 

Ein guter Arzt sollte nach einer PCOS-Diagnose zudem über verschiedene Behandlungsmöglichkeiten aufklären und vor allem auch erstmal erklären, was PCOS eigentlich ist. Ich höre leider oft, dass Frauen mit den Worten „nehmen Sie einfach die Pille und kommen Sie wieder, wenn Sie schwanger werden wollen“ nach Hause geschickt werden ohne überhaupt zu verstehen, was die Diagnose für sie bedeutet. 

Die Pille ist leider immer noch eine der beliebtesten „Behandlungsmethoden“, die Frauenärzte vorschlagen. Dabei behandelt die Pille nicht, sie unterdrückt lediglich (im besten Fall) einige der Symptome. 

Carla: Im Ärzteblatt wurde PCOS einmal als “Dieb der Weiblichkeit” bezeichnet. Was bedeutet das für die Betroffenen?

Tina: Viele Frauen mit PCOS weisen erhöhte Androgenwerte, d.h. männliche Hormone, auf. Dies kann dazu führen, dass Frauen einerseits unter Haarausfall leiden und andererseits einen männlich geprägten Haarwuchs entwickeln. Viele Frauen müssen sich beispielsweise täglich im Gesicht und am Hals rasieren, was sehr belastend sein kann. 

Carla: Insulinresistenz und PCOS treten ja sehr häufig gemeinsam auf. Aber haben alle Frauen mit PCOS eine IR? Und was sollte man zuerst behandeln?

Tina: Studien deuten drauf hin, dass rund 80% der Frauen mit PCOS auch eine IR haben. Manche Experten sagen sogar, dass jede Frau mit PCOS eine IR hat, der Ausprägungsgrad sich aber unterscheidet, d.h. dass bei manchen Frauen evtl. nur eine milde Form vorliegt und ein anderer Trigger größeren Einfluss auf die Symptome hat. 

Wenn eine moderate bis stark ausgeprägte IR vorliegt, macht es Sinn diese gezielt zu behandeln, durch die richtige Ernährung, Lebensstil-Interventionen und ggf. gezielt eingesetzte Nahrungsergänzungsmittel. 

Häufig geht dadurch bereits eine Vielzahl der Symptome zurück oder sie verschwinden sogar ganz. 

Carla: Was ist eigentlich mit den Frauen, die PCOS aber keine IR haben? Unterscheidet sich eine Behandlung oder Lifestyle-Intervention von denen bei PCOS mit Insulinresistenz?

Tina: Bei Frauen, die PCOS mit IR haben, macht es häufig Sinn, den Kohlenhydratanteil in der Ernährung zu reduzieren, um die IR zu behandeln. 

Bei manchen Frauen, bei denen die erhöhten Androgenwerte eher von den Nebennieren kommen und Stress ein größerer Trigger ist, wäre diese Vorgehensweise eher kontraproduktiv, da Kohlenhydrate die bevorzugte Energiequelle unseres Körpers sind und ihm „Sicherheit“ signalisieren. 

Dasselbe gilt für Intervallfasten. Bei IR kann dies ein sinnvolles Tool sein, um die Zellen wieder sensibler für Insulin zu machen. Wenn eine Frau aber unter sehr viel Stress steht, kann Intervallfasten zusätzlichen Stress für den Körper bedeuten. 

Wir sind alle so individuell, weshalb auch die Behandlung individuell sein sollte. 

Carla: Häufig findet man im Internet ja Anbieter von rezeptfreien Nahrungsergänzungsmitteln, die bei PCOS und Insulinresistenz helfen sollen. Was hältst Du von diesen Angeboten – sollten Betroffene das in Betracht ziehen oder doch lieber die Finger davon lassen?

Tina: Hier ist es vermutlich wie bei allem, was man im Internet so finden kann: manches kann sinnvoll sein, von vielem sollte man dagegen eher die Finger lassen.

Es gibt einige Präparate die bei IR sehr gut unterstützend eingesetzt werden können. Die Betonung liegt hierbei aber auf „unterstützend“. Die Basis sollte immer die Ernährung und der Lebensstil sein. Gezielt eingesetzte Nahrungsergänzungsmittel können dann noch die letzten 5 Prozent rausholen. 

Carla: Wenn jemand zu Dir in die Beratung kommt – wie gehst Du dann vor? Nutzt Du dafür bestimmte Methoden? Was sollten Betroffene mitbringen (z.B. Befunde)?

Tina: Wie ich bereits eingangs beschrieben habe, sind die Ursachen von Frau zu Frau unterschiedlich, ich spreche hier häufig von „Triggern“. Wenn eine Frau sich entscheidet, mit mir zusammenzuarbeiten, versuche ich zunächst anhand eines Fragenkatalogs herauszufinden, was die größten Trigger sind, um diese dann gezielt anzugehen. Meist erkennt man an den Aussagen der Frauen und den Antworten auf die Fragen bereits, welche das sind.

Wenn aber zusätzlich Befunde vorliegen (z.B. großes Blutbild, oraler Glukosetoleranztest, Nährstoffstatus (Vitamin D, Eisen, Selen,…), ist das natürlich ebenfalls hilfreich um ein besseres Gesamtbild zu erhalten. 

Carla: Welche drei Dinge können Betroffene von PCOS (mit IR) sofort ändern, um ihren Zustand zu verbessern`

Tina:

  1. Kohlenhydrate nie isoliert essen, sondern immer in Kombination mit Fett & Eiweiß, so werden Blutzuckerspitzen vermieden.
  2. Den Ballaststoffgehalt in der Ernährung erhöhen. Auch dies bewirkt einen moderaten Anstieg des Blutzuckerspiegels und deine Darmbakterien freuen sich auch darüber.
  3. Kraftsport in den Alltag integrieren. Das ist gut für die Stimmung und verbessert die Insulinsensitivität der Zellen

Carla: Wie erreicht man Dich am besten, wenn man Dich für ein erstes Beratungsgespräch konsultieren möchte?

Tina: Meine Webseite befindet sich gerade erst im Aufbau. Daher ist der beste Weg um mit mir Kontakt aufzunehmen mein Instagram-Account: pcos.balance

Danke für das sehr informative Gespräch!

Wenn du mehr erfahren möchtest und nach Ansprechpartnern suchst, dann habe ich hier eine erste Anlaufstelle für dich.

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