Stress und Hormone – ein Interview mit Stresslotse Andreas Schwandt

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Schlafprobleme, Jobfrust, Konflikte im Privatleben – wenn nichts mehr rund zu laufen scheint, kann das die Psyche ganz schön in Mitleidenschaft ziehen. Viele Menschen fühlen den Stress des modernen Lebens nicht nur, sie bilden sogar körperliche Symptome aus – und kommen damit zum Stresslotsen Andreas Schwandt in die Berliner Praxis.

Als Gesundheits-Coach mit dem Schwerpunkt Stressmanagement unterstützt Andreas Stressgeplagte darin, ihren Umgang mit den Herausforderungen des Alltags zu überdenken und wenn nötig, die Perspektive zu wechseln. 

Carla: Stresskompetenz spielt eine große Rolle in unserem Alltag, nicht nur im Management einer Insulinresistenz. Was genau passiert im Körper, wenn wir mit unserem Stress nicht mehr richtig umgehen können und wie wirkt sich das aus?

Andreas: Vorweg schicken möchte ich, dass ein gewisses Maß Herausforderungen zum Leben dazu gehören – wir diese sogar brauchen! Ohne Herausforderungen würden wir z.B. nichts Neues entdecken wollen, uns fehlt an Neugierde und Motivation. Unser Leben wäre schlicht langweilig. 

Der „Stress“ von dem hier die Rede sein soll, meint, wenn wir uns von einer Situation oder einem Umstand überfordert, dem ausgeliefert fühlen – und wir die Anspannung, die mit der Situation einher geht, nicht mehr loslassen können. In dem Moment wird diese Situation von unserem Körper als Bedrohung empfunden und wir reagieren mit einer Reihe von körperlichen Aktivierungsreaktionen, die unseren Körper in Aktion, in Kampfbereitschaft versetzt. 

Unter anderem schüttet unser Körper vermehrt Hormone wie Adrenalin und Cortisol aus, die in Bewährungssituationen sehr hilfreich sind für uns. Über längere Zeit jedoch wirkt ein erhöhter Cortisolspiegel z.B. sich negativ auf andere Körperfunktionen aus. Er verhindert zum Beispiel, auch wieder abzuschalten und runterfahren zu können, uns zu erholen und Kraft schöpfen zu können für neue Herausforderungen. 

Carla: Wir schlafen immer weniger – das konnte ich einem Bericht über das Schlafverhalten der TK entnehmen. Die Teilnehmerinnen meiner In:Balance-Kurses wissen, wie sich das auf ihre Insulinresistenz auswirkt. Aber wie wirkt sich Schlafmangel denn außerdem auf die körperliche und geistige Verfassung aus?

Andreas: Bekannt ist den meisten sicher das Phänomen, dass wir vermehrt Appetit auf Süßes haben, wenn wir müde sind. 

Der auch als „Glückshormon“ bekannte Neurotransmitter Serotonin beeinflusst viele Aspekte des menschlichen Verhaltens wie die Laune, Entspannung und die Fähigkeit zu schlafen. 

Serotonin beeinflusst und reguliert die Stimmung, den Antrieb und vermittelt Entspannung und Wohlbefinden. 

Wie auch das Insulin wird Serotonin in der Bauchspeicheldrüse gespeichert. 

In Untersuchungen am Max-Planck-Instituts konnte nachgewiesen werden, welchen Einfluss Serotonin auf die Ausschüttung von Insulin, dem wichtigsten Hormon bei der Regelung des Blutzuckerspiegels hat. Bei Störungen des Serotoninspiegels wird Insulin nicht mehr in ausreichender Menge gebildet, der Blutzuckerspiegel kann als Folge bis in ungesunde Höhe ansteigen, eine Hauptcharakteristik von Diabetes. 

Wesentlich ist hierbei, dass Serotonin vom Körper hauptsächlich im Tiefschlaf gebildet wird. Ein Schlafmangel wirkt sich somit also direkt auf die den Serotoninspiegel im Körper aus. 

Hauptursache für einen Serotoninmangel im Erwachsenenleben sind neben schlechtem oder unzureichendem Schlaf auch psychische Belastungen und lang anhaltende Stressbelastungen. Stressbedingte Schlafstörungen tragen wiederum zur Entwicklung eines Serotoninmangels bei – Es entsteht ein Teufelskreis. 

Zu einer Normalisierung des Serotoninspiegel ist deshalb wichtig, dass zum einen die Stressursachen reduziert werden bzw. die Stressbewältigung verbessert wird. 

Beide Aspekte sind Bestandteil der Stressmanagement-Kurses. 

Ein ausgeprägter Serotoninmangel sollte jedoch ärztlich  untersucht und behandelt werden.  Hier können u.a. Medikamente wie Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) zum Einsatz kommen.

Carla: Wenn jemand zu Dir in die Praxis kommt – wie gehst Du dann vor, um das Stressproblem herauszuarbeiten?

Andreas: Die meisten Menschen, die zu mir in die Praxis oder in ein Seminar kommen, bewegt das Thema schon eine Weile, bis sie sich dann dazu entschließen, hier aktiv zu werden. Dabei sind Kompetenzen, mit Herausforderungen besser umgehen zu können, für jeden hilfreich – und je eher man sich mit dem Thema „Stressmanagement“ auseinandersetzt, umso besser! Man kann nur gewinnen für sich. 

Bei vielen ist das Eingeständnis, sich mit dem Thema Stress näher auseinander zu setzen, noch immer sehr mit Scham behaftet. Daher ist es zunächst wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und Vertrauen aufzubauen. Hierbei lässt sich meist schon viel über die Lebenssituation erfahren und in welchem Bereich es Ansatzpunkte gibt, ebenso aber auch, wo jemand bereits gute Kompetenzen mitbringt. 

In einem nächsten Schritt arbeite ich gern mit einem Analyse-Instrument, das der/dem TeilnehmerIn helfen soll, zu reflektieren, welche Situationen und Umstände in deren/dessen Alltag den meisten Stress verursachen – aber auch, wo es Ressourcen gibt. Hier passiert meist schon der erste „Aha-Moment“, zu erkennen, was einem Kraft gibt und was diejenigen bereits gut managen in ihrem Alltag. 

Carla: Was sind Deiner Erfahrung nach die häufigsten Stressfaktoren, unter denen wir heute leiden? Gibt es da Themen, die sich bei Deinen Kunden wiederholen?

Andreas: Hier spielen ganz deutliche die neuen Medien eine große Rolle, die Möglichkeit, immer und überall erreichbar zu sein, bietet natürlich viele Vorteile, es hält uns aber auch permanent „unter Strom“. Oft haben wir uns schon so daran gewöhnt, dass wir diesen subtilen Stressfaktor gar nicht mehr wahrnehmen. 

Ein weiterer Stressfaktor, der wiederum eher direkt und stark wahrgenommen wird, sind Konflikte mit Mitmenschen, seien es Arbeitskollegen oder auch im privaten Umfeld. 

Wir sind soziale Wesen. Es liegt in unserer Natur, dass uns das Verhalten anderer, vor allem von Menschen in unserem Umfeld, nicht unberührt lässt. Das gilt für schwierige – zum Glück aber auch für positive Momente und Erlebnisse. 

Mit dem im letzten Jahr zum „Standard“ gewordenen Arbeiten von zu Hause, kam eine sehr ungünstige Kombination von Nähe zwischen Arbeit und privatem „Raum“, Bewegungsarmut und sozialer Distanz zu den dominierenden Stressfaktoren hinzu. 

Carla: Was ist Deiner Meinung nach das Wichtigste im Umgang mit Stress? Gibt es etwas, was wir alle sofort ändern können, um unseren Stress besser zu bewältigen?

Andreas: Die 3 Punkte, die ich hier nennen möchte, sind nichts Großartiges und für Viele sicher auch nichts Neues – dennoch tun sich viele schwer damit, es anzupacken und für eine Weile durchzuhalten. 

  1. Beobachte Dich selbst einmal im Alltag, wann und wobei Du Dich sehr wohl fühlst und Du so richtig abschalten und „runterfahren“ kannst (ohne Substanzen wie Alkohol, Gras oder so!) . Das kann für jeden sehr unterschiedlich sein. Für den einen sind es Unternehmungen mit Freunden und der Familie, der nächste ist gern körperlich aktiv, für andere wiederum sind es Ausflüge in die Natur …

→ Hole Dir mehr solcher Gelegenheiten und Momente in Dein Leben !! 🙂

  1. Reserviere und nimm Dir bewusst und konsequent Zeiten nur für Dich!
    sei es für einen Spaziergang im Grünen, zum Lesen oder zum Sport/Yoga, etc.

→ Schalte dabei bewusst mal Dein Handy aus oder lasse es zu Hause!

Probier‘ mal, ob Du das schaffst! 😉

  1. Ein gesunder Geist kann nur im Einklang mit einem gesunden Körper leben.
    Das wussten schon die alten Griechen 🙂

Gesunde körperliche Bewegung hat so vielfältige positive Wirkungen für unseren Körper und unser Wohlbefinden, dass ich sie an dieser Stelle nicht im Einzelnen aufzählen möchte. Allein für unseren Hormonhaushalt ist Bewegung der Schlüssel zu Ausgeglichenheit und auch Stressresistenz. 

→ Vielleicht ist dieser Artikel ja der beste Anlass, die guten Vorsätze umzusetzen und loszulegen?! 😉

Vielen Dank für das tolle Gespräch!

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