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Nichts als Gejammer

Ich hab da was im Ohr. Ich werde es nicht mehr los. Es ist aber kein Ohrwurm, kein Song, den ich eines Morgens im Radio gehört habe und nun nicht mehr aufhören kann, innerlich zu wiederholen. Keine wichtigen Worte einer mir nahestehenden Person, die immer noch nachhallen. Kein liebliches Vogelgezwitscher, das mich geweckt hat. Es ist Gejammer. Von allen Seiten, auf allen Kanälen und auf jeder Plattform wird gejammert, was das Zeug hält.

In den Medien: Es wird gejammert, dass viele nicht in den Urlaub fahren können. Das Maskentragen, einfach schlimm. Die Corona-App funktioniert nicht einwandfrei. Zum Feiern muss man sich nun im Wald treffen – wirklich unzumutbar. 

Auf Facebook: Eine Bekannte klagt darüber, dass die Menschen in ihrem Umfeld gerade so schlecht drauf seien und unfreundlich bis aggressiv reagierten. Als ob ihr irgendjemand etwas schuldete, vor allem in diesen Zeiten. Als ob Menschen von Natur aus friedlich und wohlwollend wären und sich alles nur um sie und ihre Befindlichkeiten drehte. Damit das nicht nach Jammern aussieht, kann man auch ein größeres Fass aufmachen und noch etwas Feminismus beimischen. Das lenkt immer so schön ab von der eigenen Person.

Auch in meiner Instagram-Community ist das Jammern leider sehr verbreitet. Es wird außerdem von mir erwartete, dass ich das Jammern unterstütze. Wer meinem Profil folgt, der weiß, dass ich entweder persönliche Anekdote und Erfahrungen weitergebe oder fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse leicht verständlich aufbereitet. Was der Empfänger meiner Beiträge dann damit macht, liegt nicht in meiner Hand. Es ist meine Absicht, die bestmöglichen Informationen zu meinem Thema „Insulinresistenz und Ernährung“ bereitzustellen. Mehr nicht. Wie aber reagieren manche User auf der Plattform darauf? Mit Gejammer. „Mimimi, dann kann ich ja gar keine Ausnahmen mehr machen“, „Mimimi, das ist aber nicht familientauglich“, „Mimimi, dann nehme ich aber nicht genug Nahrung zu mir“ – das Gejammer hat sich in meinem Gehör eingenistet und ich werde langsam taub davon. 

Denn was steht hinter dem Gejammer? Selbstmitleid und Anspruchsdenken. „Sie wollte es einfach mehr als Du“ entgegnete mir vor Jahren eine Bekannte, als ich mich darüber beschwerte, wie ätzend sich doch manche Dinge in Berlin gestalteten: die Jobsuche, die Wohnungssuche, die Partnersuche. Der Satz traf mich tief. Ich habe lange gebraucht, um diese gerechte Verletzung zu überwinden. Denn nicht meine Person war verletzt worden, sondern ein übergroßer Teil meines Egos, der mir eingeredet hatte, ich hätte auf irgendetwas einen Anspruch. Dabei hatten sich andere mehr angestrengt, besser vorbereitet, hatten sich stärker fokussiert oder ihren Schweinehund anderes überwunden, vielleicht hatten sie auch bessere Ressourcen oder Kontakte. Glück hat damit herzlich wenig zu tun.

Wie wurde ich denn von diesem Anspruchsdenken geheilt? Etwa durch die Erfahrung, sechs Jahre lang falsch diagnostiziert zu sein und immer kränker, immobiler und frustrierter zu werden in der Blüte meiner Jahre. So, wie die meisten während Corona gelebt haben, habe ich sechs Jahre gelebt. Diese Lebenszeit ist futsch. Ich bekomme keine Entschädigung dafür. Ich bekomme nicht die Zeit wieder, ich bekomme keine Ersatzleistungen für die Jobs, die ich nicht ausüben oder die Beziehungen, die ich nicht eingehen konnte, weil mein Alltag geprägt war von körperlichen Schmerzen durch die Insulinresistenz und die dadurch bedingten Entzündungen. Die Entzündungen sind nun weg, aber diese Zeit hat Schäden hinterlassen, mit denen ich mich jetzt arrangieren muss – vor dem Verlust von Füßen, Zähnen und Beziehungen ist der Verzicht auf Süßigkeiten und Brot eine Lappalie.

Jammern hat nichts mehr mit Meinungsäußerung zu tun. Eine Meinung ist etwas, was sich im Laufe der Zeit ausbildet und verändern darf. Jammern ist spontan, impulsiv und unüberlegt. Jammern soll die Aufmerksamkeit der anderen auf sich ziehen und die eigene Unzulänglichkeit rechtfertigen. Jammern soll verhindern, dass du dich aufmachst, etwas zu verändern, was verändert werden muss, damit du erfolgreich bist. Es ist nicht schlimm, wenn du etwas noch nicht umsetzen kannst. Aber die Betonung liegt eben auf dem Wörtchen „noch“, nicht auf „nicht“. Nicht immer können wir unser neues Wissen sofort richtig umsetzen. Wenn dem so wäre, bräuchte es meinen Blog nicht. Denn dann gäbe es keine Insulinresistenz mehr. Wir wären alle metabolisch gesund und glücklich. Aber es hilft keinem zu jammern. Es gibt gegen Insulinresistenz so einfache und wirksame Mittel: Low-Carb, Intervallfasten, genug schlafen, keine BCAAs nehmen. Und für die ganz harten Fälle gibt es Medikamente, die einem zeitweise unter die Arme greifen. Der Weg ist längst frei. Alle Informationen sind da. So viele Menschen lernen, ihre durch falsche Essgewohnheiten erworbene Insulinresistenz eigenständig mit Ernährung und neuem Essverhalten zu managen. Es ist einfach, aber nicht leicht. So wie fast alles im Leben. Aus „Mimimi“ muss „MachMachMach“ werden mit einem dicken Ausrufezeichen dahinter. Und wenn du es nicht machst, macht`s keiner für dich.

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