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Gibt es ein Leben nach dem Brot?

Brot ist mehr als ein Lebensmittel – es ist gehört mit zu unserer Kultur und bietet etwas, was viele in Lebensmitteln suchen: Identität. Was aber, wenn man kein Brot isst, egal ob aus der Einsicht, dass Brot nicht das gesündestes aller Lebensmittel ist, oder weil man kein Brot essen kann? Gehört man dann nicht mehr dazu und wozu soll man eigentlich gehören? In diesem Artikel beschreibe ich meine Sicht auf konventionelle Ernährung am Beispiel des Brotes, wobei ich „richtiges Brot“ zuletzt vor ca. 15 Jahren gegessen habe. Ich möchte damit eine Antwort auf die Frage finden, ob und wie ein Leben ohne Brot möglich ist.

Es ist das alltäglichste aller Lebensmittel und wird in Metaphern oder Redewendungen häufig stellvertretend für Nahrung gebraucht. Die Rede ist vom Brot, wobei ich damit kein spezifisches Brot meine. Deutschland ist international bekannt für seine reiche Brotkultur, wohl kaum ein anderes Land verfügt über derart viele Brotarten wie wir. Vom fein gemahlenen Weißbrot über den Alltagsklassiker Graubrot bis hin zum süßen, schwarzen Pumpernickel oder in Lauge gebadeten Brezel. Mindestens 3.000 Sorten werden täglich gebacken und verkauft. Gegen den deutschen Broterfindungsreichtum kommen kein Knäcke, kein Baguette und auch kein Bagel an. Richtig gutes Brot schmeckt köstlich, auch ganz ohne Belag.

Brot ist in Deutschland beliebt und gehört zu mindestens zwei Mahlzeiten dazu: Frühstück und Abendbrot, da steckt es schon im Namen. In den angrenzenden europäischen Sprachen gibt es für das Abendbrot kein vergleichbares, bildhaftes Äquivalent. Nichts ist so praktisch wie ein Butterbrot: bestreichen, einpacken, fertig. Hält bis zum Mittag und ist darüber hinaus auch noch eine sehr kostengünstige Möglichkeit sich zu ernähren. In meiner Generation gab es wohl kein Kind, das nicht mit einem Butterbrot in die Schule geschickt wurde. Auch wenn es erheblich Unterschiede gab, vom weißen Nutella-Toast, bei dem die Mutter die Kruste abgeschnitten hatte, bis hin zur Vollkornstulle mit Leberwurst und Salatblatt kannte das Pausenbrot eine Vielfalt, wie ich sie heute nicht mehr sehe. Aber nicht nur im Alltag bestimmt das Brot die Essgewohnheiten. Es gibt auch anlassbezogene Brote. Wo man hinschaut, es gibt kein Entkommen, an jeder Ecke ein Bäcker und im Zuge der aktuellen Ernährungstrends kommt auch das Selberbacken wieder in Mode.

Normales Brot in unseren Gefilden enthält für gewöhnlich Gluten. Gluten ist ein Eiweiß, das in den meisten Getreiden vorkommt. Gluten sorgt etwa dafür, dass der Teig schön zusammenklebt und nicht wie bei gutenfreien Produkten auseinanderbröselt. Aber nicht jeder verträgt Gluten. Ich habe durch meine Ernährungsexperimente herausgefunden, dass ich Gluten nicht vertrage. Das letzte Mal „normales“ Brot habe ich mit 22 oder 23 gegessen. Es folgten vier Jahre Rohkost, vier Jahre vegan und glutenfrei, dann mehrere glutenfrei und borderline vegan, bis ich schließlich so krank war, dass ich auf ketogen und zuckerfrei umgestiegen bin. Während meiner glutenfrei-borderline-vegan-Phase hatte ich meine erste Festanstellung und konnte nicht mehr ständig für mich kochen, deshalb fing ich an, glutenfreie Produkte zu kaufen und mit Buchweizen zu experimentieren. Hätte ich damals gewusst, was ich mir damit einhandeln würde, hätte ich es sein gelassen, aber ich wusste es noch nicht und erfreute mich daran, fast normal essen zu können. Ich konnte plötzlich Kuchen backen und ihn Normalessern vorsetzen. Es gab auf einmal Nudeln ohne Gluten, auch das war für mich eine Errungenschaft. Nur die Verdaulichkeit dieser Produkte ließ sehr zu wünschen übrig. Aber das schob ich auf meinen schwächlichen Körper, der genetisch einfach zu demoliert war, um auch nur halbwegs normal zu funktionieren.

Mittlerweile ist es aber gar nicht mehr so unnormal, Gluten haben die meisten schon mal gehört, man ist auch kein Freak mehr, wenn darauf verzichtet. Es gibt aber noch andere Gründe, Brot zu meiden: Der hohe Kohlenhydratgehalt macht es zu keinem guten Lebensmittel für Menschen wie mich, die Kohlenhydrate nicht gut verwerten dank Insulinresistenz.

Es ist in Deutschland nicht einfach, kein Brot zu essen. Es ist überall und überaus praktisch. Es ist aber auch nicht so gut, wie es immer dargestellt wird. Gluten, Oxalsäure, leere Kohlenhydrate – es gibt ein Leben nach dem Brot. Umgewöhnung braucht immer Zeit. Man muss nur wissen, warum man sich umstellt.

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Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information, stellt meine subjektive Meinung dar und ersetzt keinen Arztbesuch. Ich schließe jegliche Haftungen aus.

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